Singapur lehrt die Schweiz das Fürchten
19. februar 2006 [...] ZüRICH/SINGAPUR · Die Zinssteuer, welche die Schweiz im Juli 2005 auf Druck der EU einführt, leitet einen Exodus aus der Schweiz ein: Immer mehr Reiche und Superreiche aus Europa verlagern ihr Vermögen nach Singapur. Sie ärgert nicht nur, dass die Schweiz ihnen einen Teil ihres Zinsgewinns abzieht und an ihren Heimatstaat überweist, sie fürchten auch, dass das Schweizer Bankgeheimnis immer löchriger wird.
Tatsächlich fliessen zum Beispiel auf dem Weg der informellen Amtshilfe zunehmend Informationen aus der Schweiz an ausländische Behörden, ohne dass die Betroffenen sich dagegen wehren könnten. Der Abfluss europäischer Gelder aus der Schweiz nach Singapur ist beträchtlich. So wurden in den letzten Jahren selbst von kleineren Banken wie der Julius Bär oder der Bank Sarasin Milliardenbeträge deutscher und italienischer Kunden nach Singapur verschoben.
Credit Suisse betreut im asiatischen Stadtstaat umgerechnet 6 Milliarden Franken an Vermögenswerten allein aus Europa, wie das «Wall Street Journal» dieser Tage enthüllt hat. UBS verwalte in Singapur rund 4 Milliarden Dollar Vermögen von Kunden in Europa. Die Banken wollen diese Zahlen nicht kommentieren.
Credit Suisse hat in Singapur gar einen speziellen «Eurodesk» aufgebaut, wo vielsprachige Berater Kunden in Europa bis gegen Mitternacht Lokalzeit in der jeweiligen Muttersprache bedienen.
Schweizer Banken verwalten derzeit rund 30 Prozent der weltweiten Vermögen, die sich ausserhalb ihrer Heimmärkte und damit im Bänklerjargon «offshore» befinden. Seit Singapur im Jahr 2001 ein Bankgeheimnis nach dem Muster der Schweiz und Liechtensteins geschaffen hat, gilt die Stadt als beste Alternative zur Schweiz.
Der Stadtstaat, der wie seinerzeit die Schweiz auf seine Unabhängigkeit pocht, muss weder eine Zinssteuer an die EU abliefern, noch ist er Mitglied der OECD, die ihren Druck auf den Finanzplatz Schweiz stetig erhöht hat.
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