Museumsboom in China
von nicole büsing, 3. august, 2005 [...] Gigantische Grossprojekte wie die Überbauung des ehemaligen Hafengebietes New Kowloon in Hong Kong, für das man mit Architekturstars wie Herzog & de Meuron, Norman Foster aber auch mit dem Garanten für spektakuläre Museumsbauten weltweit, Frank O. Gehry, bereits Verhandlungen geführt hat, sind in die Schlagzeilen geraten. Daneben gibt es unzählige kleinere Projekte für Privatmuseen, etwa von chinesischen Künstlern, die im Ausland Erfolge feiern und sich in ihrer Heimat bereits zu Lebzeiten ein Denkmal setzten wollen oder von reichen Privatsammlern wie Guang Yi aus Beijing, der bereits vier Privatmuseen in der chinesischen Hauptstadt realisiert hat und diese mit seiner eigenen Sammlung chinesischer Gegenwartskunst bespielt. Bei aller Euphorie mehren sich die Stimmen kritischer Beobachter, die den Museumsboom mit einer offen geführten, inhaltlich orientierten Debatte begleiten wollen. Im Rahmen der Kunstmesse Art Basel gab es jetzt erstmals in Europa ein hochkarätig besetztes Podium mit Architekten, Kuratoren, Künstlern, Sammlern und Museumsdirektoren aus China, die unter der Leitung des Schweizer Ausstellungsmachers und Asien-Kenners Hans-Ulrich Obrist die gegenwärtige Situation in China analysierten, kritisch hinterfragten und Ideen für eine Zukunftsstrategie der Museumslandschaft in China entwarfen. Die im Westen und in China tätige Kuratorin Chaos Yang Chen sieht die neue Aufgabe eines Museums darin, die «Evolution gesellschaftlicher Prozesse zu begleiten».... Die Überlegung, in einem Museum den Denkprozess abzubilden und nicht die Kunst selbst, ist natürlich eine sehr intellektuelle, vielleicht auch zukunftsweisenden Vorstellung, die den Planern, Machern und Investoren in China sicherlich nicht gefallen wird. Der Direktor des Guangdong Museum of Art, Wang Huangsheng, hingegen setzt auf eine schnelle Entwicklung des Kunstmarkts in China: «Was wir für China wünschen, wäre eine Kunstmesse wie die in Basel.» Eine Idee, die vielleicht gar nicht so abwegig ist. Auch wenn Uli Sigg beobachtet hat, dass «bisher kaum jemand in China in der Lage ist, zeitgenössische Kunst überhaupt zu verstehen», schliesst er nicht aus, dass in einem immens schnellen Aufholprozess der Zugang zur zeitgenössischen Kunst auch für ein breiteres Publikum möglich wird. [...]


